Trauerbegleitung

Das Nachlassbegleiter-Interview: Trauerbegleitung

Im ersten Interview auf Nachlassbegleiter sprechen wir mit der Trauerbegleiterin und Trauerrednerin Helene Düperthal.

Nach einem kurzen Austausch auf der Hessischen Messe für Bestattungskultur PAX im April 2016 in Gießen wollten wir mehr über das wichtige, emotionale Berufsfeld der Trauerbegleitung erfahren.

Helene Düperthal ist diplomierte Religionspädagogin und lebt als gebürtige Kölnerin seit vielen Jahren mit ihrer Familie im Sauerland. Bereits in jungen Jahren machte es sich die Mutter von sieben Kindern zur Aufgabe, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten. Für sie eine Herzensaufgabe, der sie seit über 25 Jahren freiberuflich nachgeht. Neben ihrer Tätigkeit als Trauerbegleiterin betreibt sie auch den Verlag Lebensweichen und veröffentlicht Bücher, die offene Fragen bei Kindern und Erwachsenen zu den Themen Tod und Abschied beantworten.

 

Nachlassbegleiter.de: Trauerbegleitung, was versteht man darunter?
Helene Düperthal: Leid-Sehen, Zu-Hören, Aus-Halten, Mit-Fühlen, Mit-Gehen, Stehen-Lassen, Verzicht und Da-Sein. Im Grunde ist Trauerbegleitung genau das. Nicht mehr und nicht weniger. Hinschauen muss ich um das Leid in seiner ganzen Dimension zu erkennen. Zumeist geht es um viel mehr, als „nur“ den Verlust eines geliebten Menschen. Es ist nicht nur die Lücke, die schmerzt, sondern vielfach auch das Zusammenbrechen eigener Lebenskonzepte, – Pläne und Träume, wie auch eigener Sicherheiten. Jeder Tod signalisiert mir: Auch ich muss eines Tages gehen. Wer weiß schon wann? Nur durch sorgfältiges aktives Zuhören – besonders im Hinblick auf das nicht Ausgesprochene, durch das Aus-Halten von fehlenden Antworten, dem Verzicht von billigen Tröstungsversuchen kann ich durch mein Da-Sein und Mit-Gehen, Zu-Hören, Aus-Halten, wahrlich Begleiten. Das Wesentliche der Trauerbegleitung steckt für mich in dem Wort selbst, denn Begleiten bedeutet niemals Vorangehen, Wege-Aufzeigen und Leiten. Es geht um das Da-Sein und die aktive Hilfestellung im Prozess der Trauer auf dessen Weg, der Trauernde seinen ganz eigenen Weg findet.

Was hat Sie dazu bewogen, Trauerbegleiterin/Rednerin zu werden? Was ist Ihre Motivation?
Es ist kein Beruf, den ich mir ausgesucht habe. Der Beruf hat mich ausgesucht, so kam es mir immer vor. Weder kannte ich damals einen Trauerredner, noch das Berufsbild des Trauerbegleiters. Aber in jungen Jahren, mit gerade einmal 18, habe ich in einem Pflegeheim erstmals einen Menschen im Sterben begleitet und wusste, so wie mit ihm und den Angehörigen zu dieser Zeit umgegangen wurde, so war es nicht gut. Von dieser Stunde an, hat mich das Thema Sterben, Tod und Trauer nicht mehr losgelassen. Es begleitet mich seit nunmehr nahezu 40 Jahren. Als Mutter von 7 Kindern, war ich zunächst lange nicht erwerbstätig, habe aber ausnahmslos jedes Jahr über Fortbildungen dafür gesorgt, den Grundstein zu legen für die Zeit, wenn diese flügge sein würden. Darauf bin ich durchaus stolz, denn ich weiß, dass es nur so möglich war, dass ich heute genau den Platz ausfülle, der meiner Bestimmung entspricht: Als Sterbe- und Trauerbegleiterin, Autorin und Verlegerin im Lebensweichen Verlag Menschen im Abschied auf Augenhöhe zu begegnen, Da-zu-sein und mitzugehen …

Welche Qualifikation und Voraussetzungen sollte man für diesen Beruf mitbringen?
Viele Menschen, die heute als Trauerbegleiter arbeiten, haben aus der eigenen Trauer heraus den Weg in die Begleitung gefunden. Manchmal ergibt sich aus der eigenen Betroffenheit ein besonderes Gespür, eine Sensibilität die es ermöglicht, anderen Menschen mit einem ähnlichen Schicksal zu helfen. So gibt es heutzutage auch viele Organisationen, die Trauerbegleiter ausbilden. Meiner Beobachtung nach jedoch fehlen hier oft fundierte Kenntnisse im psychologischen und gesprächstherapeutischen Bereich. Kompetenzen, über die man gerade im sensiblen Bereich der Grenzerfahrungen unbedingt verfügen sollte, denn hier kann auch viel falsch gemacht oder Handlungsbedarf übersehen werden. Ich selbst kam damals über die klientenzentrierte Gesprächsführung (im Studium), die Sterbebegleitung im Hospizdienst zur Ausbildung zur Trauerbegleiterin und dann zur Trauerrednerin.

Wie wichtig ist Ihr Beruf in der heutigen Zeit, in der Traditionen sich z.T. in der Auflösung
befinden?

Leider sehr, sehr wichtig. Die großen Säulen der Seelsorger und funktionierenden Nachbarschaften sind weitestgehend weggebrochen. Gerade die Trauerbegleitung ist für mich nach wie vor eigentlich ein Kerngebiet der Seelsorger, die in dieser Hinsicht in meinen Augen jedoch leider vielerorts vollkommen versagen, da einfach nicht verfügbar.

Wann sollte man Sie kontaktieren?
Heute! Sie sterben keinen Tag früher, wenn Sie sich mit Ihrem Tod frühzeitig beschäftigen, vorsorgen und innerhalb der Generationen ins Gespräch kommen. Ist alles „geregelt“, stirbt es sich leichter und die Angehörigen können Abschied nehmen in dem guten Gefühl, dass gesagt wurde, was zu sagen war und geregelt wurde was zu regeln war. Klingt formal, ist aber nicht unwichtig, um wahrlich loslassen zu können.

Was ist schön bzw. traurig an Ihrem Beruf? Gibt es ein Erlebnis, das Sie besonders berührt
hat?

Ein seitenlanges Thema auf wenige Sätze zu reduzieren, ist hier nicht leicht. Als Trauerrednerin habe ich überdurchschnittlich viele Angehörige nach Suiziden, Kleinkinder und Säuglinge zu begleiten, da die Bestatter mich kennen und wissen, was Not-tut. Das ist nicht immer leicht. Als beglückend empfinde ich es dagegen, immer wieder die vielen Umarmungen voller Dankbarkeit, manch zaghaftes Lächeln und Blicke nach abgrundtiefer Trauer. Der schlimmste Moment war für mich, als einmal ein Kind auf den Friedhof gelaufen kam, als die meisten Angehörigen schon am Sarg standen und es strahlend rief „Wo ist der Papa?“. Es war ihm nicht gesagt worden, dass dieser hier bestattet wurde.

Brauchen Hinterbliebene heutzutage mehr Unterstützung, insbesondere bei Formalitäten als
vielleicht vor 30 Jahren?

Jein, Ja und Nein. Das ist ein Thema, das ich nicht fachkompetent beantworten kann. Ich würde aber sagen: In mancher Hinsicht wird ihnen auch zu viel abgenommen. Auch die Erledigung von Formalitäten kann schon einmal Halt geben in Haltloser Zeit. Wenn ich dann Nachbarn, Bekannte um Hilfe bitten muss, bedeutet das auch Reden und Zuhören….

Wie schätzen Sie die Bedeutung des digitalen Nachlasses ein?
Das ist kein Problem der Zukunft, kein Problem der jungen Generation und keines, das wir in Angriff nehmen sollten, sondern ein Problem des Hier und Jetzt, aller Generationen und kann gar nicht eindrücklich genug in den Blick gerückt werden. Ich selbst habe mich aber – zugegeben – auch erst vor ca. vier/fünf Jahren damit beschäftigt. Seitdem aber ist es ein fester Bestandteil meiner Vorträge, Seminare und Fortbildungsveranstaltungen, auf die Notwenigkeit einer Regelung hinzuweisen und gute Hilfestellungen zu suchen. Wäre es anders, hätte ich wohl auch nicht den Kontakt zu Ihnen gefunden. Doch neugierig, wie ich bin, wollte ich wissen, was Sie zu bieten haben und war beeindruckt.

Setzen Sie sich auch privat mit dem Thema „digitaler Nachlass“ auseinander?
Selbstverständlich, sonst wäre ich eine schlechte Vertreterin meines Amtes. Ganz nebenbei bemerkt: Mein Mann hat sich nie mit irgendwelchen Papieren beschäftigt und Computer sowie Internetportale sind für ihn ein Buch mit sieben Siegeln. Es wäre für ihn eine Katastrophe, müsste er sich mit meinem digitalen Nachlass ohne Vorbereitung beschäftigen bzw. diesen auflösen.

 

Haben wir Ihr Interesse geweckt und Sie möchten Frau Düperthals Dienste gerne in Anspruch nehmen? Dann kontaktieren Sie sie unter trauer.lebensweichen.de. Weiterführende Information zum Thema erhalten Sie auch beim Bundesverband Trauerbegleitung e.V.

Der Nachlassbegleiter-Newsletter bietet Ihnen in regelmäßigen Abständen weitere interessante Informationen rund um die Themen Tod, Bestattung und digitaler Nachlass.

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